Kurban – das Schlachtopfer

Die Opfergabe mit Opfertieren stellt im Islam eine Art des Gottesdienstes dar. Schon aus der Geschichte der Söhne Adams, Kain und Abel, ist uns die Opferung als gottesdienstliche Handlung bekannt.

Den historischen Hintergrund für die Opferdarbringung im Islam stellt jedoch die Geschichte des Propheten Abrahams (as) dar. Abraham wünschte sich sehnlichst Nachkommen. Er hatte bereits ein hohes Alter erreicht als ihm Allah (swt) einen Sohn schenkte. Abraham gehörte zu den dankbaren und gottergebenen Dienern.

Um in der Person Abrahams (as) ein schönes Vorbild an Gottergebenheit für die Menschen zu schaffen, befahl Gott Ihm an, seinen Sohn zu opfern. Ein großer Prüfstein stand vor Abraham (as), doch die Liebe und Hingabe zu seinem Herren, überwog gegenüber der Liebe zu seinem Sohn, den er mehr liebte als sich selbst. Schweren Herzens berichtete Abraham (as) seinem Sohn von dem Befehl Gottes. Sein Sohn gehörte ebenfalls zu den gottergebenen Dienern und so antwortete er seinem Vater, dass dieser seinen Befehl ausführen solle und dass er, so Gott will, sich in Geduld und Standhaftigkeit ausüben wird.

Aber Gott verlangt keine Menschenopfer und Gott verlangt auch keine Selbstaufgabe. Islam bedeutet nicht Selbstzerstörung sondern „Hingabe an Gott“. Islam bedeutet sich dem Willen Gottes hinzugeben um somit den Salam (Frieden) zu erhalten.

So erlöste Gott Abraham von seinem Befehl und sandte ihm anstatt diesem ein Opfertier, welches geschlachtet wurde.

Und Wir gaben ihm die Freudenbotschaft von einem langmütigen Sohn. Als dieser alt genug war, um mit ihm zu arbeiten, sprach (Abraham): "Mein lieber Sohn, ich habe im Traum gesehen, daß ich dich opfern soll. Nun überlege, was du dazu meinst." Er antwortete: "Mein Vater, tue, was dir befohlen wurde. Du wirst mich, wenn Gott will, geduldig finden." Als die beiden eingewilligt hatten und (Abraham seinen Sohn) auf die Stirn niedergelegt hatte, riefen Wir ihm zu: "Abraham! Du hast deinen Traum bereits erfüllt." So vergelten Wir denen, die Gutes tun. Dies war doch eine deutliche Prüfung. Und Wir lösten (den Sohn) durch ein großes Opfer ab, und Wir bewahrten (Abrahams) Ruf bei späteren Generationen: Friede sei mit Abraham! So vergelten Wir denen, die Gutes tun. Er gehörte zu Unseren gläubigen Dienern. Und Wir gaben ihm die Freudenbotschaft von Isaak, einem Propheten, einem der Gerechten, und Wir segneten ihn und Isaak. Unter ihren Nachkommen gibt es solche, die Gutes tun, und solche, die offensichtlich sich selbst gegenüber ungerecht sind (Sura 37:102-114).

Die Geschichte bildet die Grundlage für das heutige Opferfest, welches ein Fest der Freude und Dankbarkeit ist. Es geht dabei nicht um Fleisch oder Blut, sondern um Gottesfurcht. Gott prüft damit unsere Opferbereitschaft. Im Koran heißt es dazu: „Sicher erreicht nicht ihr Fleisch Allah, und nicht ihr Blut, sondern es erreicht Ihn die Gottesfurcht von euch.“ (22:37)

Millionen Menschen weltweit schlachten an diesen Tagen. Es ist Brauch, das Fleisch des Opfers an die Bedürftigen zu verteilen. Dies ist Teil der karitativen Grundethik des Islams.

Auch bei persönlichen Anlässen zu besonderer Freude und Dankbarkeit, etwa der Geburt eines Kindes, der Genesung von einer schweren Krankheit und dergleichen schlachtet man, wenn man es sich leisten kann, ein Schaf und verteilt das Fleisch, oft in Verbindung mit einem großen Festessen.

Im Bezug auf die Notwendigkeit der Schächtung (Schlachtung) von Opfertieren, herrscht unter den vier Rechtsschulen Meinungsverschiedenheit. Der hanfitischen Rechtsschule zufolge, muss jeder Muslim, der die notwendigen Voraussetzungen erfüllt, ein Opfertier schächten (wadjib). Die anderen Rechtsschulen betonen, dass das Schächten von Opfertieren auf die Tradition des Propheten zurückgeht (sunna ain muakkada) und deshalb keine verpflichtende Funktion hat.

Bedeutung des Opferfests

Im islamischen Kalender bildet das Opferfest neben dem Ramadanfest die festlichste und wichtigste Zeit. Für das Ausleben des islamischen Glaubens sind beide Monate und die beiden Feste von zentraler Bedeutung.

Das Opferfest ist am zehnten Tag des islamischen Monats Dhu l-Hidja und dauert vier Tage. Dadurch, dass der islamische Kalender ein Mondkalender ist, verschiebt sich das Opferfest und kann zu jeder Jahreszeit stattfinden.

Bekannt ist den meisten Nichtmuslimen, dass an den Festtagen Tiere geopfert werden; den Hintergrund und die Bedeutung der Opferdarbringung kennen Hingegen viele nicht.

Während des Opferfests gedenken die Muslime der Geschichte des Propheten Abrahim, der seinen Sohn opfern sollte, als Beweis absoluter Gottergebenheit.

Die Schächtung des Opfertieres wird nach bestimmten Regeln und mit Gebeten vorgenommen.

Es ist Brauch, das Fleisch des Opfers an die Bedürftigen zu verteilen. Aber auch Freunden, Nachbarn und Verwandten soll man etwas von dem Opferfleisch zukommen lassen. Darüber hinaus ist es üblich, wie auch zum Ramandanfest, dass man sich untereinander Grüße und Segenswünsche zukommen lässt.

Am ersten Morgen des Opferfestes besuchen die Moschee, um gemeinsam zu beten, darüber hinaus hören sie eine Festtagspredigt. Anschließend isst man zu Hause und besucht Freunde und Verwandte und beschenkt sich gegenseitig.

Opfervoraussetzungen

Wer ein Opfertier schächten möchte, sollte Folgendes beachten:

1) Der Schächtende muss Muslim

2) er sollte nicht auf Reisen sein,

3) er muss genug Vermögen über das Notwendigste

hinaus besitzen,

4) er muss im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sein.

Jeder Muslim, der die oben aufgeführten Voraussetzungen besitzt, sollte einmal im Jahr zur festgelegten Zeit ein Opfertier schächten.

Ein Schaf oder eine Ziege gilt als Opfer einer Person, während ein Rind gleichmäßig auf sieben Personen verteilt werden kann.

Schächten ist keine Tierquälerei

In diesem Zusammenhang wird den Muslimen oft Tierquälerei vorgeworfen. Die Praxis des Schächtens ist jedoch nicht mit einem Mord an den Tieren gleichzusetzen. Der Islam ist, was die Behandlung von Tieren betrifft, empfindsam und achtet sie sehr, da auch sie Geschöpfe Gottes sind. Wenn nun zum Anlass des Opferfestes Tiere geschächtet werden, so dient dies in erster Linie der Anbetung Gottes und darf nicht als Tierquälerei missverstanden werden. Die Schächtung von Tieren geschieht außerdem auch aus sozialen Gründen. Viele Menschen in armen Ländern können sich kein Fleisch leisten. Das Opferfest bietet ihnen die Möglichkeit wenigstens einmal im Jahr in den Genuss von Fleisch zu kommen. Folglich wird das Sozialverhalten unter den Menschen gestärkt.

Der Prophet Muhammed (sas) hielt die Menschen dazu an, sich gegenüber der Schöpfung Gottes gütig und rechtmäßig zu verhalten. Die humane Art des islamischen Schächtens kann man aus einigen Bedingungen ersehen, die bei der Schächtung eingehalten werden müssen. Hierunter fällt unter anderem, dass das zum Schlachten verwendete Messer zuvor scharf geschliffen werden muss, welches jedoch nicht in der Gegenwart des Tieres vorgenommen werden darf. Weiterhin dürfen nicht mehrere Tiere gleichzeitig geschlachtet werden, um in ihnen keine Todesängste hervorzurufen. Barmherzigkeit gegenüber den Tieren ebenso wie gegenüber den Menschen ist ein islamisches Gebot.